Alles Mandala? Sakrale Geometrie und unterhaltsame Geduldsübung

Mandalas erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Ob als Meditationsübung oder schlicht als Malspaß für Jung und Alt. Doch was es hat es mit den geometrischen Formen eigentlich auf sich und wieso erleben sie seit einiger Zeit einen solchen Boom?

Ursprung des Mandala

Bevor Mandalas Einzug in die Kinder- und Bastelzimmer dieser Welt hielten, waren Sie vor allem als meditative Konzentrationsübung sowohl im Hinduismus als auch im Buddhismus verbreitet. Das Wort „Mandala“ stammt dabei aus dem Sanskrit, einer alten indischen Sprache, die noch heute gebräuchlich ist und vor allem in heiligen Schriften zu finden ist, und bedeutet ganz schlicht „Kreis“. In der kultischen Praxis wird dem meist kreisrunden oder symmetrisch eckigen Schaubild eine magische Bedeutung zugesprochen. Die Bedeutung kann aber je nach Ausführung variieren. In seiner einfachsten Form kann das Mandala ein Dreieck zeigen, welches für die auch in fernöstlichen Religionen existierende Dreifaltigkeit steht. In seiner komplexesten Ausgestaltung stellt das Mandala den Grundplan eines sakralen Gebäudes dar, welches wiederum das gesamte Universum mit Himmel, Erde und Unterwelt zeigt. Durch diese Darstellungsweise können dem Devotee, also dem Anhänger der Lehre, helfen, die durchaus komplexen religiösen Zusammenhänge zwischen Gottheiten, Landschaften und rituellen Zeichen zu verinnerlichen. Gleichzeitig fungiert der Akt des Zeichnens selbst als Yoga-artige Übung.

Verbreitung im Westen

Im Westen hielten die Bilder im Zusammenhang mit dem in den 1960er und 70er Jahren aufkommenden breiten Interesse an fernöstlicher Religion und Philosophie Einzug. Bands wie zum Beispiel The Beatles wandten sich so unter anderem dem Guru Maharishi Mahesh Yogi und dessen Lehre der Transzendentalen Meditation zu, wodurch die Bewegung einer breiten Masse bekannt wurde und welche dadurch einen ungeheuren Zulauf erfuhr, in den USA sowie in Europa. Philosophen wie Alan Watts übersetzten die Lehren aus Indien und China für ein westliches Publikum mit Rücksichtnahme auf dessen philosophischen Background und machten diese Schriften so mehr Menschen zugänglich. Dieser Trend war in den vergangenen Jahrzehnten unterschiedlich stark präsent, ist jedoch nie gänzlich verschwunden. In den letzten 20 Jahren erlebten der Buddhismus, der Hinduismus sowie wie etliche Spielarten dieser großen Religionen und ebenso andere esoterische Ausrichtungen einen erneuten Aufschwung im Westen. Die Symbolik und Ästhetik mit inbegriffen.

Spaß für die Kleinen

Das Mandala als Ausmalbild ist dann mehr oder weniger Ausdruck dieser kulturellen Inbeschlagnahme durch eine kapitalistisch geprägte Gesellschaft. Daran mag man sich stören oder nicht, mit dem tatsächlichen religiösen Hintergrund haben Mandalas in unserer Gesellschaft aber nichts mehr gemein. Und das muss es auch nicht zwangsläufig. Denn das Zeichnen oder Ausmalen vorgedruckter Bilder hat durchaus seine Daseinsberechtigung. Kinder können hier gleichzeitig Spaß haben und nebenbei geometrische Grundregeln erlernen. Auf Erwachsene trifft dies natürlich ebenso zu. Und wer einmal probiert hat, ein Mandala selbstständig zu zeichnen, wird bestätigen können, wie diffizil sich das gestalten kann. Denn da heisst es dann, wirklich genau zu zeichnen und auf die korrekten Winkel und Abstände zu achten. Fehlversuche sind da kaum zu vermeiden. Wer also seine Hortgruppe mal gehörig fordern und zur Ruhe bringen will, lässt sie Mandalas malen.

Mandalas, wohin das Auge blickt

Doch die farbenfrohen Gebilde begegnen uns nicht mehr nur in Malbuchform, sondern sind im Grunde überall vertreten und überall denkbar. Ob auf T-Shirts, Mousepads, auf bedruckten Fototassen, auf der neuen Handyhülle und wo nicht sonst noch überall. Somit stellen Sie gleich auch eine schöne Geschenkidee dar. Wer also im Freundes- oder Familienkreis Mandala-Fans hat, kann denen mit individuell gestalteten Artikeln eine schöne Freude machen. Unzählige Onlineshops bieten entsprechend Konfiguratoren auf ihren Seiten, auf denen sich der Kunde dann seinen Artikel aussuchen und mit einem entweder selbstgemachten oder bereits vorgefertigten Mandala verzieren kann. Die Nachfrage ist hier durchaus groß. Florian Jacob, Geschäftsführer der Firma Tassendruck, weiß dies zu bestätigen. „Neben etlichen Motivationssprüchen und den obligatorischen Familienfotos vom letzten Urlaub, haben wir täglich auch eine Menge Mandalas unter den Kundenbestellungen. Das hat in den letzten Jahren auf jeden Fall zugenommen.“

 

Bildquellen:

  1. © moritz320 | pixabay.com